Das Erwachen des Favoriten

Der Thriller ist ein Gerne-übergreifendes Kunstelement, welches eine erregte Erwartung über die gesamte Aufführdauer aufrecht erhält. Spannungsbögen werden gebildet, können mit Horror-, Krimi- und Drama-Elementen gefüllt sein und sollen zuletzt eine Erleichterung erzeugen.
Letzten Samstag wurde in Seeon ein Thriller zwischen den Basketballern der Seeon Lakers und dem SV Schwindegg dargeboten. Die favorisierten Chiemgauer trafen auf den Tabellenletzten und somit war das Drehbuch verfasst, doch den Zuschauern wurde eine andere Darstellung geboten.

Edgar Gaspar gewinnt den Sprungball für die Lakers. Foto Zgela
Das Spiel begann gewohnt positiv, die Protagonisten um Lakers-Trainer Stefan Dangl besetzten Ihre Rollen wie besprochen. Schnelle Spielzüge und ausgeklügelte Laufwege fügten sich zur Taktik des Gegners. Doch nach und nach wendete sich das Lakers-Drehbuch. Ein Fluch schien gesprochen, die Würfe der Chiemgauer fielen immer mehr ins Leere und dazu gesellte sich eine allesumringende, fesselnde Zonenverteidigung Schwindeggs. Nach dem ersten Viertel führte der Gegner mit 6:12 Punkten.
Um sich besser in Szene zu setzen, musste sich das Team aus der Defensiv-Zange befreien und in die Punkte kommen. Es entwickelte sich ein Drama, in welchem Center Uwe Flechtner den Hauptakteuer stellte. Durchgehend wurde er schwierigen Wurfentscheidungen ausgesetzt, teils gegen zwei oder drei Kontrahenten. Dank der Hilfe der großen Mitspieler wie Edgar Gaspar oder Andreas Manzinger wurden ihm Möglichkeiten zum Scoren eröffnet. Doch die Schwindegger konterten und verpassten den Lakers mit der Halbzeitsirene einen schmerzhaften Dreier. Die Gäste führten 20:28 Punkte.

Wie gewohnt konnten sich die Lakers auf ihren Topscorer Flechtner verlassen. Foto Zgela
Nun fragten sich die Zuschauer, ob die Seeoner einen Weg aus dieser Misere finden werden? In der Zwischenzeit konzipierte Stefan Dangl Stoff für einen Krimi. Er stellte die Verteidigung um und lockte den Gegner in eine Falle. Die Mittellinie wurde zur Grenze, ab welcher die Schwindegger Ballführer sofort durch die Seeoner in die Mangel genommen wurden. Ballverluste und Verfolgungsjagden um das Leder folgten. Da die Lakers immer einen Schritt voraus waren, holten sie sich Punkte. Die Wende brachte wiederum Topscorer Flechtner, der nach Freiwürfen den Ausgleich schaffte und mit seiner kämpferischen Gestik die sogenannte „vierte Wand“ zum Zuschauer durchbrach. Die Halle kochte und das Heimteam erwachte. Darunter auch Benjamin Rosnitschek, der nun im Gegenzug mit der Viertelsirene einnetzte. Das bedeutete die Führung mit 49:36 Punkten.
Das letzte Viertel brach an. Schwindegg mobilisierte nochmals die Offensive, doch die Lakers ließen nichts mehr anbrennen. Der Thriller fand zur Erleichterung aller Gäste ein gutes Ende. Das gleiche Gefühl hatte auch der Topscorer und meint: „Für uns war dieses Spiel teils desaströs, teils lehrreich und ermutigend. Für die Zuschauer war es eine sehenswerte, facettenreiche Partie und dank ihres Engagements zu einem besonderen Ereignis. So darf es weitergehen.“ Die Seeon Lakers gewinnen ihr Heimspiel mit 68:52 Punkten. Vorhang zu.
Die Hauptdarsteller waren Andreas Brandstätter, Stefan Dangl, Uwe Flechtner, Edgar Gaspar, Andreas Guggenberger, Peter Linner, Andreas Manzinger, Daniel Martin, Thomas Pfaffenzeller, Benjamin Rosnitschek, Florian Wimmer, Dominik Zgela.